Konica Tomato
Crazy Cams #2

Die Konica Tomato: Die Kamera aus dem Gemüsefach

Konica Tomato
Kaum zu glauben
1988 brachte Konica etwas auf den Markt, das eigentlich keinen Sinn ergibt – und genau deshalb bis heute Kultstatus genießt. Eine Kompaktkamera, geformt und eingefärbt wie eine Tomate. Rundes, organisches Gehäuse in kräftigem Rot, ein grüner „Kelch" als Blitz-Cover, dazu ein Tragegriff, der aussieht, als hätte man ihn direkt vom Gemüsestand mitgenommen.

Die Tomato war keine Notlösung und kein Scherzartikel, sondern ernst gemeintes Industriedesign der späten 80er: eine Zeit, in der japanische Hersteller mit Formen, Farben und Materialien experimentierten, die mit klassischer Kameraoptik nichts mehr zu tun hatten. Während die Konkurrenz auf Ecken und Kanten setzte, entschied sich Konica für Kurven – und traf damit einen Nerv, der bis heute nachwirkt. Die Tomato ist kein Nischenobjekt für Sammler geblieben, sie ist zu einem Symbol für verspieltes, mutiges Kameradesign geworden, das auf Social Media eine zweite Jugend erlebt.

Ihr Kultstatus speist sich aus genau dieser Widersprüchlichkeit: eine vollwertige, funktionale Kamera mit Autofokus und eingebautem Blitz, verpackt in eine Form, die niemand ernst nehmen würde – bis man sie in der Hand hält und merkt, wie durchdacht sie eigentlich ist.
Crazy Score ⭐️⭐️⭐️⭐️
Pocketability Taschenformat
Conversation
Starter
Hingucker
Design der Konica Tomato
Das Design
Das Gehäuse der Tomato verzichtet komplett auf gerade Linien. Jede Fläche ist gewölbt, jede Kante abgerundet – ein Designansatz, der eher an Spielzeug oder Küchengeräte erinnert als an Fototechnik. Genau das macht sie so einzigartig: Sie fühlt sich weich an, obwohl sie aus robustem Kunststoff besteht.

Details, die man erst beim zweiten Blick bemerkt:

Der grüne Blitzknubbel oben, der wie ein Tomatenstrunk sitzt und gleichzeitig als Blitzabdeckung dient
Der Tragegriff, integriert wie ein Henkel, der die Kamera fast zu einer Handtasche macht
Die runde Linsenblende, die sich wie eine Iris öffnet
Kein einziger scharfer Winkel im gesamten Gehäuse

Bedient wird die Tomato denkbar einfach: Autofokus, Autobelichtung, ein Auslöser – mehr braucht es nicht. Das ist kein Zufall, sondern Teil des Konzepts. Die verspielte Form sollte auch eine verspielte, niedrigschwellige Bedienung haben. Wer sie in die Hand nimmt, soll fotografieren, nicht einstellen.
Kamera Typ Point and Shoot
Zielgruppe Travel
Film Match Kodak Gold 200
TIM STURMER
Wir stellen vor

TIM STURMER

Für diese Episode hat einer unserer Galopp Ambassadors die Tomato eine Woche lang mit auf den Weg genommen – nicht als Test, sondern als Frage: Wie fühlt sich diese Kamera heute an, fast 40 Jahre nach ihrer Erfindung?

Die Antwort überrascht: Die runde Form liegt erstaunlich angenehm in der Hand, gerade beim schnellen Street-Fotografieren aus der Hüfte. Die Tomato fällt sofort auf – Passanten schauen, lächeln, fragen nach. Sie ist damit weniger eine unauffällige Straßenkamera als vielmehr ein Türöffner: Wer mit ihr fotografiert, kommt automatisch mit Menschen ins Gespräch.

Auf Kodak Gold 200 entstanden Bilder, die genau diese Leichtigkeit einfangen – warme Farben, weiche Kontraste, ein bisschen Retro-Charme, der zur Optik der Kamera passt wie kaum ein anderer Film.
instagram.com/timioseZum Editorial
Das war's also
Die Konica Tomato ist der Beweis, dass eine Kamera nicht ernst aussehen muss, um ernsthaft gute Bilder zu machen. Sie ist unpraktisch im klassischen Sinn – zu rund für die Tasche, zu auffällig für Unauffälligkeit – und genau deshalb so besonders. Wer heute mit ihr fotografiert, kauft sich nicht nur ein Stück Kameratechnik, sondern ein Gesprächsthema, ein Design-Statement und ein Stück Popkultur der späten 80er.

Für alle, die Fotografie nicht nur als Technik, sondern als Ausdruck von Persönlichkeit verstehen, ist die Tomato eine der lohnendsten Kuriositäten, die man heute noch finden kann.
Konica Tomato

'Lady in Red' von TIM STURMER