Kaum zu glauben1988 brachte Konica etwas auf den Markt, das eigentlich keinen Sinn ergibt – und genau deshalb bis heute Kultstatus genießt. Eine Kompaktkamera, geformt und eingefärbt wie eine Tomate. Rundes, organisches Gehäuse in kräftigem Rot, ein grüner „Kelch" als Blitz-Cover, dazu ein Tragegriff, der aussieht, als hätte man ihn direkt vom Gemüsestand mitgenommen.
Die Tomato war keine Notlösung und kein Scherzartikel, sondern ernst gemeintes Industriedesign der späten 80er: eine Zeit, in der japanische Hersteller mit Formen, Farben und Materialien experimentierten, die mit klassischer Kameraoptik nichts mehr zu tun hatten. Während die Konkurrenz auf Ecken und Kanten setzte, entschied sich Konica für Kurven – und traf damit einen Nerv, der bis heute nachwirkt. Die Tomato ist kein Nischenobjekt für Sammler geblieben, sie ist zu einem Symbol für verspieltes, mutiges Kameradesign geworden, das auf Social Media eine zweite Jugend erlebt.
Ihr Kultstatus speist sich aus genau dieser Widersprüchlichkeit: eine vollwertige, funktionale Kamera mit Autofokus und eingebautem Blitz, verpackt in eine Form, die niemand ernst nehmen würde – bis man sie in der Hand hält und merkt, wie durchdacht sie eigentlich ist.